Leitlinien Handbuch
Vor einigen Jahren wurde die Qualitätskommission des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Pathologen beauftragt, Anwendungsleitlinien in deutscher Sprache von Expertengruppen erstellen zu lassen.
Die seinerzeit in enger Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Pathologie erstellten und zum Teil schon in der 2. Auflage vorliegenden Anwendungsleitlinien sind gut angenommen worden. Seitdem hat sich in der „Leitlinienszene“ sehr viel getan. Es hat sich vor allem gezeigt, dass bei der Erstellung der S3-Leitlinien verschiedener Organe, z. B. kolorektales Karzinom, Magenkarzinom, Lungenkarzinom etc., immer wieder auf die Anwendungsleitlinien der Pathologie verwiesen wird.
Die in den Anwendungsleitlinien formulierten Anforderungen geben vor, in welcher Form moderne pathologische Befunde erstellt werden sollten, d. h. welche Parameter und Klassifikationen dringend anzugeben sind. Damit können diese Leitlinien mehr als eine Orientierung bieten, sie nähern sich aber noch nicht dem Zwangskorsett. Es ist davon auszugehen, dass durch die Arbeit
mit diesen Leitlinien die Qualität der täglichen Diagnostik in der Pathologie und damit die Qualität der Versorgung erheblich verbessert werden kann. Zur genauen Einordnung einer Leitlinie in das Geflecht von Leitlinien, Richtlinien und Standards (auch hinsichtlich der Bedeutung von S1-, S2- und S3-Leitlinien) empfehlen wir, ebenfalls das Glossar durchzulesen.
Vonseiten des Bundesverbandes gibt es Initiativen, die zunehmend wichtige Tätigkeit der Pathologien nicht nur in der Erstellung von leitliniengerechten Befunden, sondern auch in Tu morboards besser zu honorieren. In diesem Sinne ist auch eine adäquate Vergütung in gebührenrechtlicher Angemessenheit der Leitlinie zu sehen. Die Leitlinien werden einem kontinuierlichen Revisionsprozess unterzogen. Die Mitglieder werden gebeten, uns auf eventuelle Fehler und Unstimmigkeiten hinzuweisen oder auf Punkte, in denen die Leitlinie verbessert werden kann. Durch die Erstellung der Anwendungsleitlinien, ihre Anwendung und die Rückmeldung möglicher Verbesserungsvorschläge sollte eine weitere Steigerung der Qualität in der medizinischen Versorgung erreicht werden.
Prof. Dr. med. Ch. Wittekind, Leiter der Qualitätskommission beim Vorstand des Bundesverband Deutscher Pathologen e. V.
Oktober 2012