Pathologie in den Medien

Innovationen in der modernen Pathologie

Pathologie in den Medien Freitag, 06. November 2015

Interview von Gabriele Brähler mit Prof. Dr. med. Thomas Kirchner, kooptiertes Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Pathologen e.V. | (c) BDP e.V., November 2015


Kennzeichnend für die moderne Pathologie ist ein hohes Innovationstempo. Wie sich dies zum Vorteil von Patienten auswirkt, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Kirchner, Direktor des pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

 

Prof. Kirchner, die Pathologie ist ein hoch komplexes Fachgebiet. Eine einfache Frage zur Annäherung, was ist kurz zusammengefasst die zentrale Aufgabe der Pathologie?

Die Pathologie ist die Lehre von den Krankheiten. Ihre traditionelle Aufgabe ist es, Krankheiten zu verstehen. Das heißt, ihren Ursprung zu entschlüsseln, ihren Verlauf zu prognostizieren und praktische Handlungsorientierungen für den Arzt und Patienten zu entwickeln.

Die Pathologie verbindet heute morphologische und molekulare Untersuchungsmethoden und Verfahren. Was kann sich der Nicht-Pathologe darunter vorstellen?

Die klassische Arbeitsweise der Pathologie ist morphologisch angelegt. Das heißt der Pathologe analysiert die Struktur von Zellen und Zellverbänden, also Gewebe oder Organen. Anhand charakteristischer Muster erkennt er krankhafte Veränderungen.

Die aktuelle Weiterentwicklung der  Medizin ist stark molekular geprägt. Diese molekulare Medizin befasst sich mit den Genen und der Informationsverarbeitung in einer Zelle. Sie entschlüsselt die Wechselwirkung zwischen Genen und Proteinen und erfasst deren Regulation als Grundlage der Zell- und Gewebefunktion.

Wie haben sich die Handlungsempfehlungen des Pathologen durch die zunehmend molekularen Methoden verändert? Und was bedeutet dies konkret für den einzelnen Patienten?

Heute verbinden wir die klassischen morphologischen Methoden mit den molekularen Untersuchungstechniken und erhalten so neue wesentliche Informationen für die Krankheitsdiagnostik. Dies ermöglicht uns einen tieferen Einblick, wie Krankheit entsteht und sich ausprägt. Insbesondere können heute durch die molekularen Verfahren bei der Tumor-Diagnostik viel präzisere Aussagen treffen als noch vor 10 Jahren. So können wir bei Tumoren nicht nur Aussagen zur Prognose und Verlauf des Tumorleidens, sondern auch zum Ansprechen des Tumors auf bestimmte Therapien treffen.

Wir sprechen daher von prädiktiver Diagnostik, die klare Vorhersagen für den einzelnen Patienten macht und damit eine individualisierte Therapie und Präzisionsmedizin ermöglicht.  Sie sichert dem Patienten die bestmögliche und die schonendste Behandlung.

Medizinischer Fortschritt und Gewinn von Lebenszeit – gibt es dazu konkrete Zahlen?

Allein bei der Betrachtung der gewonnenen Lebenszeit bei der Diagnose von Dickdarmkrebs lässt sich der medizinische Fortschritt sehr gut ablesen. Vor etwa 15 Jahren hatte ein Patient mit dieser Diagnose eine durchschnittliche Lebenszeit von 12,6 Monaten. Heute ist diese Zeit auf 33,1 Monate gestiegen.

Wie sieht die Zukunft in der Pathologie Ihrer Meinung nach aus?

Die nationalen und internationalen Wissenschaftler sind enorm produktiv. Kontinuierlich werden neue Erkenntnisse gewonnen, die innerhalb kürzester Zeit den Weg aus der Forschung in die medizinische Praxis finden. Wir sprechen vom Zeitalter der translationalen Medizin, in dem die Forschungsergebnisse schneller dem Patienten zu Gute kommen. Die Pathologie ist hieran wesentlich beteiligt. Sie wird auch in Zukunft eine entscheidende Rolle für die Diagnostik von Krankheiten und die Versorgung der Patienten spielen.

Herr Professor Kirchner, vielen Dank für das Gespräch.

 

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