Pathologie in den Medien

Zukunft der Medizin. Pathologie-Ausstellung in Heidelberg

Pathologie in den Medien, Startseite Montag, 13. Juni 2016

150 Jahre Lehrstuhl in Heidelberg - Eine Ausstellung zeigt, wie die Untersuchung von Gewebeproben zur Diagnostik führt


Rhein-Neckar-Zeitung, 8.6.16

Dr. Felix Lasitschka (links), der die Sammlung des Pathologischen Instituts betreut, und Charlotte Lagemann vom Universitätsmuseum betrachten ein präpariertes Herz in der Ausstellungsvitrine. Foto: Philipp Rothe

Dr. Felix Lasitschka (links), der die Sammlung des Pathologischen Instituts betreut, und Charlotte Lagemann vom Universitätsmuseum betrachten ein präpariertes Herz in der Ausstellungsvitrine. Foto: Philipp Rothe

 

Von Birgit Sommer

Nein, mit der Rechtsmedizin hat die Pathologie am Heidelberger Universitätsklinikum nichts zu tun. Pathologie, das heißt hauptsächlich Untersuchung von Gewebeproben von Patienten. 80 000 solcher Proben jährlich aus Heidelberg und umliegenden Krankenhäusern machen das Institut unter der Leitung von Prof. Peter Schirmacher praktisch zur wichtigsten Einrichtung in Sachen Diagnostik. Obduktionen von Leichen gibt es nur etwa 160 im Jahr, die Hälfte davon von tot geborenen Kindern.

Der erste Lehrstuhl für Pathologie am Heidelberger Universitätsklinikum wurde 1866 für Julius Arnold eingerichtet. Dieses 150-jährige Bestehen feiert das Pathologische Institut nun mit einer kleinen Ausstellung im Universitätsmuseum: "150 Jahre Zukunft der Medizin". Einige ausgewählte Präparate aus der von Dr. Felix Lasitschka betreuten Lehr- und Forschungssammlung sind da zu sehen, etwa ein Herz oder eine vom Krebs zerfressene Leber. Vorgestellt werden auch die früheren Institutsdirektoren. Spannend sind vor allem die Tafeln, die die Arbeit in der Pathologie erläutern und eine Vorausschau auf die Zukunft geben.

Heute gilt das Pathologische Institut der Universität Heidelberg als eines der führenden Institute in Europa. Es ist Motor der klinischen Diagnostik und groß in der Forschung, wie Prof. Schirmacher bei der Ausstellungseröffnung betonte. Besonders bei Krebsdiagnosen sind die Feinheiten, die die Pathologen am Präparat herausfinden, wichtig für eine sinnvolle Therapie.

Julius Arnold kam 1866 als 34-Jähriger auf den Lehrstuhl und besetzte ihn bis 1907, 41 Jahre lang. Seine Schwerpunkte waren das Auge, der Feinbau der Zelle und die Pathologie der Schusswunden - kein Wunder bei den Kriegshandlungen in diesen Zeiten. Unter seiner Regie entstand 1870 auch das erste Institutsgebäude in der Bergheimer Straße, das bis 1964 genutzt wurde. Der kleine Hörsaal mit extrem steilen Sitzreihen lässt Besucher heute staunen. Allerdings sitzt darin jetzt die Rechtsmedizin, das Pathologische Institut zog ins Neuenheimer Feld und bekam dort 2012 noch einmal einen Neubau hingestellt.

Prof. Schirmacher stellte bei der Ausstellungseröffnung seine Vorgänger mit ihren speziellen Interessen vor. Paul Ernst (1907-1928) zum Beispiel, in dessen Zeit wichtige Neuerungen fielen wie die Gefrierschnitttechnik, die Immunofluoreszenz und die Histomorphologie, die sich mit Formen und Strukturen der Körpergewebe befasst und laut Schirmacher "immer noch eine solide Basis für unsere Diagnostik" darstellt.

In Alexander Schminckes (1928-1949) Zeit wurde die Elektronenmikroskopie entwickelt. "Die Pathologen konnten damit eine Ebene weiter schauen als in der Histologie", sagte Peter Schirmacher. Schmincke, der sich besonders mit der Morphologie von Tumoren, mit dem Zentralnervensystem und mit Störungen der Herzentwicklung befasste, hatte in den Jahren 1945 bis 1947 Beschäftigungsverbot. Über sein Wirken und das seiner Assistenten in der Zeit des Nationalsozialismus hielt der Medizinhistoriker Prof. Wolfgang Eckart den Festvortrag. Schmincke folgten noch Edmund Randerath (1949-1961), Wilhelm Doerr (1963-1983, in dieser Zeit begann die Jagd nach den Krebsmarkern) und Herwart F. Otto (1983-2004, in diesen Jahren kamen Hochdurchsatzanalytik und Profiling-Untersuchungen dazu).

Wolfgang Eckart setzte der fachlichen Kompetenz Alexander Schminckes, zum Beispiel auf dem Gebiet der Tumorpathologie und bei der Stadieneinteilung der Tuberkulose, und seiner "künstlerischen Beherrschung der Anatomie" den anderen Schmincke gegenüber: den militärisch geprägten, sportlichen Hünen mit politisch-nationalkonservativer Gesinnung, den Gefolgsmann Hitlers.

Weil er sich 1946 der Heidelberger Spruchkammer glaubhaft als vom Nationalsozialismus Verführter präsentierte und sein ehemaliger jüdischer Oberarzt aus der Emigration bestätigte, dass Schmincke sich für ihn eingesetzt habe, wurde er als Mitläufer eingestuft und 1947 wieder zum Direktor der Pathologie ernannt. Fit war er da immer noch, Prof. Eckart zitierte dazu eine unbestätigte Anekdote: Ministerialbeamten, die den weit über 60 Jahre alten Pathologen in den Ruhestand schicken wollten, imponierte er mit einem spontanen Handstand: "Wenn mir das einer von Ihnen nachmacht, meine Herren, dann gehe ich sofort."

Info: Ausstellung im Universitätsmuseum in der Grabengasse: "150 Jahre Zukunft der Medizin. Das Pathologische Institut der Universität Heidelberg", bis 16. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

 

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