Pathologie in den Medien

Warum bin ich Arzt / Ärztin geworden

Pathologie in den Medien Montag, 05. September 2016

Josefine Radke, 31 Jahre, Assistenzärztin an der Charité Berlin, Abteilung Neuropathologie


Frau Radke, warum sind Sie Ärztin geworden?

Ursprünglich wollte ich Journalistin oder Meeresbiologin werden. An der Medizin hat mich dann aber die Komplexität der Biologie des Körpers sehr gereizt. Spannend finde ich auch, dass ein Mediziner überall auf der Welt aktiv werden kann, so dass ich vielleicht in der Zukunft auch einmal eine Zeit im Ausland arbeiten werde.

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich als Assistenzärztin in der Neuropathologie?

Zurzeit arbeite zu je 50 Prozent in der pathologischen Diagnostik und in der Forschung. In der Pathologie gehört es zu meinen Aufgaben, alle Arbeitsschritte im Rahmen der Gewebeaufbereitung zu erledigen – also von der Einbettung von Proben in Paraffin bis zur Beurteilung. Bei meinem Forschungsprojekt beschäftige ich mich mit dem ZNS-Lymphom, einem seltenen bösartigen Lymphom im Gehirn.

Warum haben Sie sich für die Pathologie entschieden?

Als ich anfing, Medizin zu studieren, hatte ich keinesfalls vor, in die Neuropathologie zu gehen. Ich habe in Marburg studiert und dort dieses faszinierende Fachgebiet für mich entdeckt.
Meines Erachtens bietet die Neuropathologie verschiedene Vorteile. Zum einen ist die Arbeit in der Pathologie extrem vielfältig, weil hier bei uns Proben aus sämtlichen Fachgebieten zusammen laufen. Wir beschäftigen uns also mit allen Organen und dem gesamten System Körper und versuchen, die molekularen Strukturen in der Zelle und im Tumor zu verstehen.
Ich schätze es auch sehr, dass der Pathologe eine so große Verantwortung trägt. Der Pathologe ist ja ein Detektiv und Spurenleser. Wir interpretieren die Muster von Gewebeproben, die übrigens von einer großen Ästhetik sind, auf krankhafte Veränderungen. Das erfordert viel Erfahrung. Aus unserem Befund ergibt sich die Therapieempfehlung für den einzelnen Patienten. Von uns hängt es also ab, ob der einzelne Kranke eine möglichst schonende und die individuell beste Behandlung erhält.
Ein Pluspunkt sind auch die Arbeitsstrukturen in der Pathologie, die viel mehr Flexibilität erlauben als beispielsweise im stationären Alltag. Für die Neuropathologie  habe ich mich entschieden, weil dieses mich faszinierende Organ des Menschen zu großen Teilen noch unerforschtes Gebiet ist.

Haben Sie eine Empfehlung für junge Kolleginnen und Kollegen?

Ich rate jedem jungen Mediziner, sechs oder zwölf Monate in der Pathologie zu arbeiten – ganz unabhängig, auf welches Fachgebiet er oder sie sich später spezialisiert. Das intensive mikroskopische und makroskopische Arbeiten mit Proben aller Organe schärft den Blick für die zukünftige Arbeit enorm.
Auch die meisten Fachkollegen haben übrigens noch ein völlig veraltetes Bild von der Pathologie im Kopf. Die Pathologie ist ein hochmodernes Fach, das sich auf den lebenden Menschen konzentriert. Viele denken immer noch, der Pathologe arbeitet allein im Keller und seziert Leichen. Wir arbeiten heute zu 95 Prozent für den lebenden Menschen. Dabei ist das Feld der molekularen Diagnostik dank seiner modernen Verfahren hoch innovativ und zukunftsorientiert.

 

(c)http://ichbinarzt.de/aerztin-arzt-werden/ (www.ichbinarzt.de)

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