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eBV-aktuell Präzisionsmedizin überfordert das Gesundheitswesen nicht

Startseite, Fachartikel Medizin, eBV-aktuell Freitag, 05. Juni 2020

An die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Pathologen e.V.


Sehr geehrte Frau Kollegin,

sehr geehrter Herr Kollege, 

 

die Präzisionsmedizin stellt die Finanzierung des Gesundheitssystems nicht in Frage, das ist ein Fazit der Stellungnahme der Bundesärztekammer (BÄK), die am Dienstag, 02.06.2020, unter der Überschrift „Präzisionsmedizin - Wunderwaffe oder Kostenfalle?“ veröffentlicht wurde und sich mit medizinisch-wissenschaftlichen und ökonomischen Gesichtspunkten befasst. Sie ist als Anlage beigefügt. Ein Beispiel darin ist die zielgerichtete Therapie maligner Tumoren nach systematischer molekularer Analyse auf spezielle Biomarker oder in immunonkologischen Therapien mit monoklonalen Antikörpern. Verfasst wurde die Stellungnahme im Auftrag des Vorstands der BÄK von einem Arbeitskreis des Wissenschaftlichen Beirats unter der gemeinsamen Federführung von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Manfred Dietel und Prof. Dr. rer. nat. Heyo Kroemer.

  

Die Präzisionsmedizin, die auch als individualisierte oder personalisierte Medizin bekannt ist, weckt Hoffnung auf neue Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt in der Onkologie konnte der Einsatz von molekularen, genetischen und proteomischen Biomarkern des einzelnen Patienten bemerkenswerte therapeutische Erfolge erzielen. Dem gegenüber stehen die Sorge vor einer mangelnden Evidenzbasierung aufgrund geringer Fallzahlen und die Kritik an den hohen Therapiekosten.

 

„Wir müssen uns immer wieder neu die Frage stellen, wie die Versorgungsqualität mit Hilfe des medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts weiterentwickelt werden kann, ohne das Gesundheitssystem finanziell zu überfordern. Die vorliegende Stellungnahme ist ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte. Und sie sollte nicht allein in Fachkreisen geführt werden“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

 

Die Sorge vor den hohen Behandlungskosten teilen die Experten indes nicht. „Zumindest aktuell scheinen die mit der Präzisionsmedizin verbundenen Kosten die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nicht in Frage zu stellen“, schreiben sie in der Stellungnahme. Trotzdem sei es notwendig, Einsparmöglichkeiten zu nutzen. Denkbar seien beispielsweise am Anwendungsnutzen orientierte Arzneimittelpreise. Zudem verweisen sie auf die unterschiedliche zeitliche Dynamik von Kosten und Einsparungen: „Während Behandlungskosten in der Regel direkt anfallen, treten Einsparungen durch vermiedene Erkrankungsfolgen oder vermiedene Behandlungen häufig erst nach Jahren ein.“

 

Ich halte die Feststellung der Studie zu den methodischen Fortschritten auch in der Pathologie für richtig: „Ohne diese methodologischen Innovationen wäre die Präzisionsmedizin weder in der Onkologie, der Infektiologie oder anderen Gebieten denkbar.“ und empfehle Ihnen die Stellungnahme als Basis für weitergehende Diskussionen in der Öffentlichkeit.

 

Mit kollegialen Grüßen

Prof. Dr. med. K.-F. Bürrig, Präsident

Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.  

Berlin, www.pathologie.de, Tel. 030 30881970


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