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Dünndarmschleimhaut in typischer Form von finger- bzw. blattförmigen Fortsätzen, die sog. Zotten, bearbeitet mit Photoshop.


20.01.2026

BDP aktualisiert S1-Leitlinie zur Durchführung von Obduktionen in der Pathologie

Der Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen (BDP) hat eine aktualisierte „S1-Leitlinie zur Durchführung von Obduktionen in der Pathologie“ veröffentlicht. Die Leitlinie wurde in der Kommission Obduktion beim BDP durch eine Gruppe von 20 ExpertInnen aus Pathologie, Neuropathologie, Rechtsmedizin inklusive Vertretern des Nationalen Obduktionsregisters NAREG umfassend überarbeitet, um den aktuellen Anforderungen, Standards und Entwicklungen der Obduktionspraxis Rechnung zu tragen. Die Leitlinie wird unterstützt durch die Deutsche Gesellschaft für Pathologie e. V. (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie e. V. (DGNN), die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin e. V. (DGRM) und den Berufsverband Deutscher Rechtsmediziner e.V. (BDRM).

„Die überarbeitete S1-Leitlinie ist ein starkes gemeinsames Signal der obduzierenden Fächer“, betont BDP-Präsident Prof. Ludwig Wilkens. „Ich danke der Kommission Obduktion sowie den beteiligten Verbänden und Fachgesellschaften ausdrücklich für die intensive und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Obduktionen waren, sind und bleiben unverzichtbar für Qualitätssicherung, medizinischen Erkenntnisgewinn und das Verständnis von Krankheiten in ärztlicher Ausbildung und medizinischer Praxis. Die überarbeitete Leitlinie stärkt die Rolle von Obduktionen nachhaltig.“

Standardisierte Durchführung und Qualitätssicherung werden gestärkt

Durch die Aktualisierung der S1-Leitlinie soll die Obduktionspraxis in Deutschland weiter vereinheitlicht werden. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Überarbeitung liegt auf der strukturierten Darstellung der Obduktionsergebnisse. Neu ist unter anderem die konsequente Abbildung der Todesursachensequenz nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation. Zusätzlich werden nicht todesursächliche Befunde ausgewiesen und durch eine Epikrise ergänzt. Dies erleichtert die klinische Einordnung der Ergebnisse und verbessert die Verständlichkeit der Obduktionsberichte.

Ergänzt wurden zudem umfangreiche Textbeispiele für makroskopische und mikroskopische pathologisch-anatomische Befunde. Sie folgen einer standardisierten Reihenfolge und dienen als praxisnahe Orientierung. Insbesondere Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung profitieren von diesen klaren Leitplanken für eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation.

Erstmals enthält die Leitlinie ein eigenes Kapitel zur Qualitätssicherung. Es orientiert sich an europäischen Mindeststandards für klinische Obduktionen und verweist auf aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen zu Krankenhaushygiene, Arbeitsschutz und Entsorgung infektiöser Materialien.

Strukturierte Befunde und Anbindung an das Nationale Obduktionsregister

Eine wichtige Neuerung ist die Ausrichtung der Leitlinie am Kerndatensatz des Nationalen Obduktionsregisters NAREG. Die strukturierte Erfassung der durch Obduktionen gewonnenen Daten ermöglicht eine bundesweite, zentrale Auswertung. Damit wird die Grundlage für eine verbesserte Nutzung von Obduktionsdaten in Forschung, Qualitätssicherung und Gesundheitsversorgung geschaffen.

Die Leitlinie unterstützt damit auch den Aufbau nachhaltiger Strukturen für die Obduktionsforschung und leistet einen Beitrag zur besseren Vorbereitung auf zukünftige Gesundheitskrisen und Pandemien (Stichwort „Pandemic Preparedness“). Das NAREG bildet das elektronische Rückgrat des Nationalen Obduktionsnetzwerks (NATON), das Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) ist.

Berücksichtigung rechtlicher und organisatorischer Neuerungen

Die S1-Leitlinie wurde darüber hinaus an die Obduktionsvereinbarung vom 31. Oktober 2021 angepasst. Der Obduktionsantrag und die Dokumentationsanforderungen wurden entsprechend überarbeitet, um eine einheitliche und vollständige Erfassung der erforderlichen Informationen zu gewährleisten. Dabei wird zugleich berücksichtigt, dass vorhandene Daten – etwa aus Krankenhausinformationssystemen – genutzt werden können, um den Aufwand für die Kliniken so gering wie möglich zu halten.

Überarbeitet wurden außerdem Abbildungen und Schemata sowie Hinweise zu minimal-invasiven postmortalen Gewebeentnahmen, die insbesondere während der COVID-19-Pandemie an Bedeutung gewonnen haben.

Gemeinsames Projekt der obduzierenden Fächer

Die Überarbeitung der S1-Leitlinie erfolgte interdisziplinär unter Beteiligung von Pathologie, Neuropathologie und Rechtsmedizin sowie Vertretern des NAREG. Der BDP dankt allen beteiligten Expertinnen und Experten sowie den unterstützenden Organisationen für die enge und konstruktive Zusammenarbeit. Mit der neuen S1-Leitlinie liegen moderne, praxisnahe und zukunftsorientierte Handlungsempfehlungen zur Durchführung von Obduktionen vor. Sie trägt dazu bei Standards zu schaffen, stärkt die Aussagekraft von Obduktionen und unterstreicht ihre Bedeutung für die medizinische Versorgung, die Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung.

Die S1-Leitlinie finden Sie unten als PDF zum Download.

Kontakt
Frau Dr. rer. nat. Vanessa Kääb-Sanyal | Verbandsdirektorin
Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen e. V. | Berlin
www.pathologie.de | E-Mail: bv pathologie.de | Tel.: +49 30 3088197 0

Über den Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen e. V. (BDP)

Der BDP ist die berufsständische Vertretung der Fachgebiete Pathologie und Neuropathologie in Deutschland. Pathologinnen und Pathologen unter­suchen Körpergewebe und Körperflüssigkeiten dar­aufhin, ob eine bestimmte Erkrankung, z. B. Krebs, vorliegt oder ausgeschlossen werden kann. Das Ziel ihrer Arbeit ist es, eine Diagnose zu stellen und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entscheidende Informationen für die Therapie zu geben. Die Pathologie ist damit eine Schlüsseldis­ziplin, zum Beispiel in der personalisierten Medizin.

Der BDP ist einer der ältesten Berufsverbände und setzt sich seit jeher für gute berufspolitische Rah­menbedingungen für das Fachgebiet ein. Der BDP entwickelt den Beruf konsequent weiter – und stellt damit die Weichen für eine stets hochqualitative, verlässliche und moderne pathologische Diagnos­tik. Diese Aufgaben erfüllt er mit seinen 1.600 Mit­gliedern, den 80 ehrenamtlich Tätigen und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäfts­stelle in Berlin.