Qualität rauf, Bürokratie runter: Reform des Akkreditierungswesens gefordert
Die Verbände und Fachgesellschaften der medizinischen Labore und Institute für Pathologie fordern eine Reform des Akkreditierungssystems der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS). Unter dem Titel „Für ein verlässliches, praxistaugliches und leistungsfähiges Akkreditierungswesen“ haben sie ihre Positionen gebündelt.
Qualitätssicherung ist eine zentrale Grundlage einer modernen, patientenorientierten Gesundheitsversorgung. Medizinische Labore und pathologische Institute leisten mit ihrer In-vitro-Diagnostik einen wesentlichen Beitrag zu verlässlichen Diagnosen und personalisierten Therapien. Die Akkreditierung ist ein maßgebliches Instrument, fachliche Kompetenz transparent und überprüfbar zu machen. Die Rolle der DAkkS als unabhängige Instanz wird ausdrücklich unterstützt, das Grundprinzip der Akkreditierung steht nicht zur Diskussion.
In der praktischen Umsetzung haben sich die Verfahren jedoch zunehmend von ihrem Ziel entfernt. Die Akkreditierung ist organisatorisch schwer kalkulierbar, bürokratisch überlastet und wirtschaftlich belastend. Lange Bearbeitungszeiten, verzögerte Rückmeldungen und teils erst Monate später ausgestellte Urkunden führen zu erheblichen Planungsunsicherheiten. Der Dokumentationsaufwand ist deutlich gestiegen und steht häufig nicht im Verhältnis zum tatsächlichen Qualitätsgewinn. Formale Systemanforderungen gewinnen an Gewicht, während fachliche Bewertungen zurücktreten. Hochqualifiziertes Personal wird in erheblichem Umfang in administrativen Prozessen gebunden, steigende Gebühren und indirekte Kosten belasten vor allem kleinere und mittelgroße Einrichtungen. Dies hat systemische Folgen: Wertvolle Ressourcen werden von der Patientenversorgung abgezogen.
Damit gerät die aktuelle Praxis in Widerspruch zu politischen Zielen wie Bürokratieabbau, Innovationsförderung und wirtschaftlicher Stabilität im Gesundheitswesen.
Gefordert wird deshalb eine grundlegende Reform mit planbaren, transparenten Verfahren, verbindlichen Fristen, weniger Bürokratie, einer klaren Priorisierung der Fachbegutachtung sowie wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen und einer verbindlichen Einbindung der Fachverbände und -gesellschaften.
Link zum Positionspapier: https://www.pathologie.de/aktuelles/stellungnahmen/2026/positionspapier-medizinischer-labore-und-pathologischer-institute-fuer-ein-verlaessliches-praxistaugliches-und-leistungsfaehiges-akkreditierungswesen
Unterzeichnende Verbände und Fachgesellschaften
Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen e. V. (BDP)
Deutsche Gesellschaft für Pathologie e. V. (DGP)
Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie e. V. (DGNN)
Berufsverband Deutscher Humangenetiker e. V. (BVDH)
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik e. V. (GFH)
Berufsverband Deutscher Laborärzte e. V. (BDL)
Akkreditierte Labore in der Medizin e. V. (ALM)
Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie e. V. (BÄMI)
Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV)
Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e. V. (DGHM)
Kontakt
Frau Dr. rer. nat. Vanessa Kääb-Sanyal | Verbandsdirektorin
Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen e. V. | Berlin
www.pathologie.de | E-Mail: bvpathologie.de | Tel.: +49 30 3088197 0
Über den Berufsverband Deutscher Pathologinnen und Pathologen e. V. (BDP)
Der BDP ist die berufsständische Vertretung der Fachgebiete Pathologie und Neuropathologie in Deutschland. Pathologinnen und Pathologen untersuchen Körpergewebe und Körperflüssigkeiten daraufhin, ob eine bestimmte Erkrankung, z. B. Krebs, vorliegt oder ausgeschlossen werden kann. Das Ziel ihrer Arbeit ist es, eine Diagnose zu stellen und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entscheidende Informationen für die Therapie zu geben. Die Pathologie ist damit eine Schlüsseldisziplin, zum Beispiel in der personalisierten Medizin.
Der BDP ist einer der ältesten Berufsverbände und setzt sich seit jeher für gute berufspolitische Rahmenbedingungen für das Fachgebiet ein. Der BDP entwickelt den Beruf konsequent weiter – und stellt damit die Weichen für eine stets hochqualitative, verlässliche und moderne pathologische Diagnostik. Diese Aufgaben erfüllt er mit seinen 1.600 Mitgliedern, den 80 ehrenamtlich Tätigen und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle in Berlin.



